
Der weltweite Speichermarkt befindet sich aktuell in einem grundlegenden Wandel. Was wir erleben, ist kein gewöhnlicher Zyklus, sondern eine dauerhafte Entkopplung zwischen zwei kapitalintensiven Bereichen: Legacy-Speicher und modernen Speichern. Beide sind knapp – allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen.
Noch 2023 liefen die Fabriken rund mit herkömmlichen Speichern und produzierten DDR2, DDR3, DDR4, LPDDR4 sowie Flash-Speicher wie MLC und eMMC. Doch schon 2025 wurde die Produktion um etwa 60 % zurückgefahren und nun erreichen die meisten dieser älteren Technologien 2027 bzw. 2028 ihr faktisches Lebensende. Dann werden nur noch geringe Stückzahlen für spezielle Anwendungen in Industrie, Automotive oder Verteidigung produziert. Die Wafer-Produktion für diese Speicher wird um 80–90 % unter dem Niveau von 2023 liegen – nicht, weil die Nachfrage fehlt, sondern weil Fabriken, Maschinen und Entwicklungsbudgets auf KI-Technologien umgestellt werden.
Legacy-Speicher verschwinden also nicht, sondern werden zu einer Art Spezialprodukt. Denn wenn es um Investitionsentscheidungen geht, fließen die Gelder in moderne Fertigungsmethoden wie EUV-Lithografie, Hybrid Bonding oder komplexes Packaging. Deshalb bleiben die Preise für Legacy-Speicher dauerhaft hoch, selbst wenn die Nachfrage stabil bleibt.
Gleichzeitig sind moderne Speicher wie DDR5, LPDDR5X, LPDDR6, GDDR7 und HBM4E aus anderen Gründen knapp. Sie benötigen DRAM-Strukturen unter 15 nm, EUV, TSVs (Through Silicon Via), Hybrid Bonding und fortschrittliches Packaging – allesamt Technologien, die aktuell noch nicht weit verbreitet sind und eine vergleichsweise niedrige Ausbeuten erzielen. Ein einzelner HBM-Stack benötigt so viel Kapazität wie die Herstellung von Dutzenden herkömmlicher DRAMs, und dennoch ist die Ausbeute gering. Selbst mit den neuen angekündigten Fabriken wird die Produktion voraussichtlich erst ab 2028 wirtschaftlich sein.
Wir erleben eine paradoxe Situation: Die alten Speicher sind knapp, weil sie nicht mehr produziert werden, und die neuen Speicher sind knapp, weil sie noch technische Probleme haben.Zwischen 2026 und 2028 regiert also so eine doppelte Knappheit:
Speicher sind kein klassisches Massenprodukt mehr, sondern werden zu einem strategischen Gut. Für Hersteller aus der Industrie heißt das: umdenken und, wie die Luft- und Raumfahrtindustrie, lebenslange Vorratskäufe und garantierte Zuteilungen für die benötigten Komponenten vereinbaren. Für KI, Cloud und Hyperscaler wird moderner Speicher zum geopolitischen und logistischen Engpass, der an wenige Fabriken, EUV-Maschinen und begrenzte Packaging-Kapazitäten gebunden ist.
Die Gewinner der kommenden Jahre werden nicht diejenigen sein, die auf günstige Spotpreise setzen, sondern diejenigen, die sich frühzeitig ihre Speichertechnologien, Zuteilungen und Partnerschaften sichern.
Nikolaos Florous, Global Product Marketing bei MEMPHIS Electronic